Sneak Peek: So beginnt Johns achter Fall

 

Prolog

 

 

 

Renie schlug die Augen auf. Einen Moment lang lag sie still auf dem Rücken und starrte in die undurchdringliche Schwärze, die sie umfing.

 Merkwürdig. Selbst wenn die Jalousien komplett zugezogen waren, war es in ihrem Zimmer nie vollkommen dunkel. Sie fühlte sich, als hätte sie einen staubtrockenen Waschlappen im Mund. Dazu kam noch ein irgendwie nebliges Gefühl im Kopf. Ah, ging es ihr vage durch den Kopf, gestern war ich wohl am Feiern. Habs mal wieder übertrieben… Brauch noch ne Mütze voll Schlaf… Sie sank wieder in Morpheus’ Arme zurück.

 Gleich darauf jedoch öffnete sie die Augen wieder. Irgendetwas stimmte hier nicht. Dieser Geruch… Sie zog die Nase kraus. Modrig. Gammlig. Als ob seit Urzeiten nicht gelüftet worden wäre.

 Scheiße, wo bin ich? Ein Anflug von Panik stieg in ihr hoch. Habe ich mich am Ende von einem Typen abschleppen lassen, der jetzt hier neben mir liegt? Sie hielt den Atem an und lauschte in die Dunkelheit. Aber bis auf das Rauschen des Blutes in ihren Ohren war kein Laut zu hören.

 Jetzt krieg dich wieder ein, befahl sie sich selbst. Du hast zwar schon viel Unsinn in deinem Leben gemacht, aber mit einem Fremden mitgehen, dazu würdest du dich nie hinreißen lassen. Es sei denn … es hätte dir jemand K.O.-Tropfen verpasst.

 Mit zitternden Fingern spürte sie nach ihrer Kleidung. Erleichtert bemerkte sie, dass sie vollständig angezogen war. Zaghaft streckte sie eine Hand aus und tastete die Umgebung ab. Offenbar lag sie auf einer schmalen Pritsche, die an die Wand geschoben war. Als sie sich aufsetzen wollte, hörte sie ein metallisches Klackern. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass ihr linkes Handgelenk von etwas Scharfkantigem, Hartem umschlossen war. Reflexartig riss sie den Arm nach oben – und jaulte gleich darauf schmerzhaft auf, als ihre Bewegung jäh gestoppt wurde. Eine Handschelle hielt sie unbarmherzig fest.

 

 

 

Kapitel 1

 

 

 

„Bitte stellen Sie die Lehnen wieder senkrecht und klappen Sie die Tische vor sich nach oben. Wir befinden uns im Anflug auf London-Heathrow.“

 Mit gemischten Gefühlen blickte John Mackenzie aus dem kleinen Fenster nach unten. Der Pilot der British Airways-Maschine aus Frankfurt war dem Verlauf der Themse von ihrer Mündung an nach Westen gefolgt und nun bewegten sie sich auf das Zentrum der Hauptstadt zu. In den Reihen vor und hinter ihm hatten Sommertouristen aus aller Herren Länder ihre Handys und Digitalkameras gezückt und knipsten aufgeregt.

   „Schau mal, da vorn ist die City! Und das berühmte Gürkchen!“

   „Wo wohnt denn die Königin?“

   „Uii, die Tower Bridge!“

   „Verdammt, jetzt spinnt die Kamera wieder…“

   John lauschte dem Geschnatter halb belustigt, halb melancholisch. Während der Großteil der Passagiere offensichtlich begierig ein paar erlebnisreichen Tagen in der Hauptstadt entgegensah, war sein Urlaub zu Ende.

  Als der Tower von London in Sicht kam, lichtete sich die düstere Wolke über seinem Haupt etwas. In den drei Jahren, seit er vom Auslandsdienst in der Truppenbetreuung der Britischen Armee zurückgekommen war, war ihm die altehrwürdige Festung zur Heimat geworden. Er liebte seinen neuen Beruf als Beefeater und Pfleger der königlichen Raben. Und er lebte gern im Herzen der Metropole. Er genoss es – meistens zumindest – seine Familie in der Nähe zu haben. Was er jedoch schmerzlich vermisste, war seine Freundin Pauline, die in York lebte. Erst vor ein paar Stunden hatte er sich von ihr am Frankfurter Flughafen verabschieden müssen. Und das im Laufen, weil die Zeit zu ihrem Anschlussflug nach Edinburgh verflucht knapp war. Nun würden sie sich wieder für mehrere Wochen nicht sehen, was John schwer im Magen lag.

 

Sein Blick streifte die weißen Masten der Yachten, die gleich hinter der Tower Bridge im kleinen Hafenbecken der St. Katherine’s Docks schaukelten. Die vergangene Woche hatte er mit Pauline auf eben so einem Segelschiff im Mittelmeer verbracht. Sogleich hatte er wieder den salzigen Geschmack der Seeluft in der Nase. Sehnsuchtsvoll schloss er die Augen und sah das Meer vor sich, dessen Farbe sich in Paulines Augen widerspiegelte … ihr kupferrotes Haar, das im Wind wehte –

   „Verehrte Passagiere, eine Information für Ihre Weiterreise: Wie uns mitgeteilt wurde, wird die Londoner U-Bahn heute bestreikt. Am Terminal stehen Mitarbeiter des zentralen Informationsschalters bereit, die Sie gerne über alternative Transportmöglichkeiten informieren. Ich habe aber auch noch eine positive Nachricht für Sie: Für den Rest dieses Samstags erwarten Sie Sonnenschein pur und Temperaturen zwischen 26 und 29 Grad.“

   John seufzte resigniert ob der Aussicht, sich in einem überfüllten und höllenheißen Bus die 20 Meilen nach Hause kämpfen zu müssen. Nach der Ankunft stapfte er zum Gepäckband, wo er feststellen musste, dass seine Reisetasche nicht angekommen war. Nachdem ihm am Lost and Found-Schalter lapidar mitgeteilt worden war, dass diese in Frankfurt aus unerfindlichen Gründen nicht ins Flugzeug eingeladen worden war, sank seine Laune auf den Nullpunkt. An dem Versprechen, sein Gepäck ‚als besonderen Service binnen 48 Stunden frei Haus geliefert‘ zu bekommen, hegte er erhebliche Zweifel. Verdrossen verließ er schließlich die Ankunftshalle.

   „John! Da bist du ja endlich!“

   „Maggie!“ Verdutzt umarmte er seine Schwester. „Was machst du denn hier?“

   „Ich komme dich abholen, du Dussel. Die Odyssee, dich durch das Streik-Chaos bis zum Tower durchschlagen zu müssen, wollte ich dir ersparen. Außerdem bin ich gespannt auf deinen Urlaubsbericht.“

   „Du bist ein Schatz, Maggie.“ Er drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Das ist ja eine schöne Überraschung, dass du extra hier heraus gekommen bist.“

   „Wenn du dein Handy mal angemacht hättest, wüsstest du schon seit einer Weile, dass ich hier auf dich warte.“ Sie knuffte ihn spielerisch. Betreten zog er sein betagtes Mobiltelefon aus dem Rucksack und schaltete es ein. Tatsächlich, vier unbeantwortete Anrufe wurden angezeigt, allesamt von Maggie.

   Sie schüttelte den Kopf. „Du lernst es nicht mehr, Bruderherz. Herrje, selbst unsere Eltern sind technologisch weiter als du. Ich war schon kurz davor, wieder zurückzufahren, weil ich dachte, ich hätte dich irgendwie verpasst.“

   „Ich hatte das Ding die ganze Woche aus“, gestand er. „Nach der Ankunft in Sizilien habe ich Mum noch das versprochene Lebenszeichen geschickt und dann war für die ganze Woche Schluss mit der Erreichbarkeit. Das war ein herrliches Gefühl.“

   Sie lachte. „Das erzähl mal meinen Kindern. Ich glaube, es wäre leichter, einer Löwenmutter ihr Kind wegzunehmen als Tommy von seinem Handy zu trennen. Und jetzt komm, lass uns fahren.“ Sie stutzte. „Wo hast du dein Gepäck?“

   „Das ist noch irgendwo unterwegs“, erwiderte er, nun wieder deutlich besser gelaunt. „Angeblich wird es mir direkt nach Hause geliefert.“ Er schulterte seinen Rucksack und sie gingen zur Parkgarage.

   „Jetzt erzähl“, forderte Maggie, nachdem sie ihren geräumigen Volvo mit einem Geschick aus der Parklücke manövriert hatte, das John nur bewundern konnte. „Ich bin wahnsinnig gespannt darauf, wie dir das Segeln gefallen hat. Stell dir vor, Alan hat zu unserem 25. Hochzeitstag im September eine Segelyacht komplett mit Crew gechartert, nur für uns beide. Wir werden zwischen palmengesäumten karibischen Inseln herumschippern.“

   „Donnerwetter!“ John pfiff durch die Zähne. Sein Schwager hatte sich aus kleinsten Anfängen ein florierendes Unternehmen aufgebaut, das die IT-Systeme von Firmen und Behörden gegen Angriffe von außen schützte. Alan war auch international ein gefragter Mann, wenn es um das Thema Datensicherheit ging, und viel unterwegs.

   „Das wird sicher großartig, Maggie“, meinte er. „Wie lange wird euer Törn dauern?“

   „Zwei Wochen. Es ist schon ein Wunder, dass sich Alan so lang von der Arbeit loseisen kann. Aber er hat es auch wirklich nötig. Die Firma ist in den letzten Jahren so explosionsartig gewachsen, dass sie ihn bald rund um die Uhr in Anspruch nimmt. Und das geht irgendwann dann doch zu sehr auf die Substanz. Wir sind schließlich nicht mehr die Jüngsten.“

   John nickte mit leidender Miene. Auch er spürte den Zahn der Zeit an sich nagen.

   „Alan hat gemerkt, dass er einen Teil der Verantwortung an seine Führungsmannschaft delegieren muss, damit er nicht mehr für jede Entscheidung zuständig ist“, fuhr Maggie fort. „Unser Urlaub soll ein Testlauf dafür werden, ob sein Team es schafft, den Betrieb vernünftig aufrechtzuerhalten, wenn der Chef sich einmal komplett heraushält und nicht rund um die Uhr erreichbar ist.“

   „Das klingt nach einer guten Idee“, sagte John. „Und eure Kinder sind mittlerweile alt genug, dass ihr sie getrost eine Weile allein lassen könnt, denke ich.“

   Maggie nickte. „Das meine ich auch. Mit Mum und Dad habe ich schon gesprochen, dass sie mal zwischendurch nach dem Rechten sehen werden.“ Ihr Blick wurde träumerisch. „Auf diese Zeit, nur für uns, freue ich mich wirklich. Ich sehe mich schon wie Grace Kelly mit einem Cocktail in der Hand an Deck wandeln, während die Sonne feuerrot am Horizont versinkt …“

   „Und Alan dir à la Bing Crosby ‚True Love’ ins Ohr schwurbelt“, spann John den Faden nahtlos weiter.

   Maggie lachte lauthals los. „Bloß nicht! Wenn Alan singt – wenn man das Gejaule überhaupt so bezeichnen kann – wird selbst die Milch sauer. Aber vielleicht habe ich ja auch eine völlig falsche Vorstellung von so einer Reise im Kopf. War denn euer Segeltörn so romantisch, wie ich es mir ausmale?“

   John wog den Kopf. „Also, erlebnisreich war er auf jeden Fall. Die Romantik ist aber für meinen Geschmack zu kurz gekommen, muss ich sagen.“

   „Oh.“ Maggie warf ihm einen Seitenblick zu. „Erzähl von vorn.“

   „Am Anfang lief noch alles glatt. Mein Flug nach Frankfurt war pünktlich und dort habe ich wie geplant Pauline und die vier anderen getroffen, die aus Edinburgh kamen. Zwei frühere Kolleginnen aus der Zeit, als Pauline noch in Edinburgh unterrichtet hat, von denen die eine ihren Mann dabei hatte und die andere eine alte Freundin.“

   „Hattest du diese Leute vorher schon kennengelernt?“, fragte Maggie.

   „Nur die beiden Lehrerinnen, Jean und Moira. Die hatte Pauline einmal zum Essen eingeladen, damit wir uns beschnuppern konnten. Die anderen zwei hatte ich noch nie gesehen. Grober Fehler“, meinte er bedeutungsschwanger.

   „Oh-oh“, kam es von Maggie.

   „Das kannst du laut sagen. Als wir in Catania angekommen sind, mussten wir eine ganze Weile auf unser Gepäck warten. Da ging es schon los mit dem Gemeckere von Alfred, Jeans Ehemann. Als dann unser Transferfahrer auch noch eine Stunde zu spät kam, durften wir uns beständig seine Tiraden anhören. ‚Diese Südländer, null Arbeitsmoral. Lassen ihr Land vor die Hunde gehen und wir sollen dann dafür zahlen. Aber klauen wie die Raben, das können sie‘ und ähnlichen Stuss. Ich musste mich schon sehr beherrschen, nicht gleich am ersten Tag einen Mordsstreit vom Zaun zu brechen.“ John schüttelte den Kopf.

   „Klingt, als hätte der gute Alfred sein ignorantes Gewäsch direkt von Nigel Farage übernommen“, kommentierte Maggie.

   „Oh ja“, nickte John. „Er hat sich auch in epischer Breite darüber beklagt, dass die UKIP nur einen einzigen Sitz im Parlament bekommen hat, obwohl sie doch im Mai über zehn Prozent der Stimmen errungen hat. Nachdem wir uns also auf diesem Parkplatz eine Stunde lang die Beine in den Bauch gestanden hatten – und es so heiß war, dass der Teer schon Blasen geworfen hat – kam endlich unser Fahrer. Wir waren alle erleichtert, dass es losging. Aber die Fahrt war dann eine ganz schöne Tortur: Die Klapperkiste hatte keine Stoßdämpfer mehr und die Klimaanlage ging auch nicht. Und der Chauffeur ist mit einem Tempo über die Insel geheizt, dass wir alle Blut und Wasser geschwitzt haben. Das einzig Gute war, dass es selbst Alfred vor lauter Furcht die Sprache verschlagen hat.“

   Maggie warf ihrem Bruder einen mitfühlenden Blick zu. „Der Auftakt zu eurer Reise war wirklich holprig. Hattet ihr denn wenigstens ein schönes Schiff?“

   John nickte.

   „Eine recht geräumige Yacht. 16 Meter lang, mit vier Kabinen und sehr ansprechend eingerichtet. Da fand selbst Alfred nichts zu nörgeln. Als es dann aber daran ging, die Vorräte für die Woche einzukaufen, schoss er schon wieder quer. Eigentlich ist es üblich, dass alle Crewmitglieder etwas in die Bordkasse einzahlen, aus der dann alle Kosten beglichen werden. Hafengebühren, Lebensmittel, Eintritte und so weiter. Aber nein, so ein bequemes Arrangement war mit Alfred nicht zu machen. Er behauptete, auf diese Weise würde er sicher übervorteilt werden und bestand auf getrennter Kasse.“

   „Also, dieser Alfred klingt nach einem von Grund auf unsympathischen Zeitgenossen. Wie hat sich seine Frau denn bei all dem verhalten? Konnte sie ihn nicht einbremsen?“

   „Es war zu spüren, dass es ihr zuwider war, wie er sich aufgeführt hat. Aber gesagt hat sie kaum etwas. Von Anfang an war klar, wer in der Beziehung der beiden das Kommando führt.“

   Maggie rollte mit den Augen. „Arrogant, kleinlich, misstrauisch: ein Traumtyp. Es mit so jemandem eine Woche lang auf engstem Raum auszuhalten, war sicher nicht leicht – ach je, das habe ich befürchtet“, unterbrach sie sich selbst. Alle Spuren der M4 Richtung London waren verstopft. Wenige Meter nach der Auffahrt kam die Blechlawine zum Stillstand.

   „Greif doch mal auf die Rückbank, John, und hol die Kühlbox nach vorn.“

   John tat, wie ihm geheißen. Als er den Deckel öffnete, erblickte er verschiedene Sandwiches, Bananen und Maggies legendäre Triple Chocolate Muffins. Er lachte erfreut auf. „Du bist einfach unvergleichlich, Maggie. Wie immer bestens vorbereitet.“

   „In dem Flaschenträger hinten im Fußraum sind noch Wasserflaschen und eine Thermosflasche mit Tee“, erklärte sie und griff nach einer Banane. „So, nun sitzen wir hier wahrscheinlich die nächste Stunde fest. Aber immerhin haben wir eine Klimaanlage und genug zu essen und zu trinken. Also erzähl weiter. Mit den anderen an Bord war hoffentlich leichter auszukommen als mit Alfred?“

   John wog den Kopf. „Der Skipper war, naja, gewöhnungsbedürftig. Ein ziemlich brummiger alter Seebär. Aber immerhin wusste er beim Segeln offensichtlich, was er tat.“ John verstummte kurz, dann setzte er hinzu, „Und dann war da noch die Sache mit Georgina.“

   Maggie musterte ihn neugierig. „Georgina?“

   John wand sich ein wenig. „Die Bekannte von Paulines Kollegin Moira. Ähm… Pauline … hatte den Eindruck, dass Georgina … ein Auge auf mich geworfen hatte. Und das hat ihr ganz und gar nicht gefallen.“

   Maggie prustete los. „Du liebe Güte. Mein Bruder, der alte Schwerenöter.“

   „So ein Unsinn“, wehrte John ab. „Es war ganz einfach so, dass Georgina und Moira sich am ersten Abend in ihrer Kabine unterhalten haben und noch nicht realisiert hatten, dass man durch die dünnen Zwischenwände so gut wie alles hören kann. Und da äußerte Georgina, sie fände mich, ahm, so sinngemäß … sagen wir, süß.“

   Was Georgina tatsächlich gesagt hatte, wollte er nicht einmal seiner Schwester gegenüber wiederholen, trieb es ihm doch bis heute die flammende Röte ins Gesicht. Er fuhr fort, „Und ich hätte so eine Ähnlichkeit mit – “

   „Lass mich raten: Colin Firth“, fiel Maggie ihm ins Wort und grinste erheitert angesichts seiner Verlegenheit. „Immer das Gleiche mit dir. Oh, das kann ich mir lebhaft vorstellen, wie das Pauline in Wallung versetzt hat. Wenn man bedenkt, wie sie die Krallen schon ausfährt, wenn Kyla Macpherson nur am Horizont auftaucht.“

   Während John beim Namen der schottischen Sängerin wie gewohnt zusammenzuckte, lachte Maggie schallend los. „Da hätte es ja fast einen Mord an Bord gegeben“, gluckste sie. „Stell dir vor, Tod im Boot, was wäre das für ein schöner Buchtitel.“

   „Witzig“, kommentierte John säuerlich und griff nach dem größten Muffin.

   „Bis jetzt klingt dein Urlaub nicht gerade erholsam“, befand Maggie und steckte die Bananenschale säuberlich in eine kleine Mülltüte, die gemeinsam mit Servietten und Feuchttüchern im Handschuhfach bereitlag.

   „Das Zusammenleben an Bord war oft wirklich anstrengend“, stimmte John ihr zu. „Aber trotzdem hatten wir wunderbare Erlebnisse. Nachts bei einer lauen Brise an Deck sitzen und die Vulkanausbrüche des Stromboli beobachten zu können, war etwas ganz Besonderes. Wir haben in idyllischen Buchten geankert und sind einfach ins Wasser gesprungen. Und nicht zuletzt das Segeln selbst: Es ist wirklich ein herrliches Gefühl, nur vom Wind getrieben übers Wasser zu gleiten. So nah an den Elementen ist man selten.“

   Während sie im Schneckentempo auf Osterley Park zukrochen, schilderte er enthusiastisch die Begegnung mit einem Schwarm verspielter Delfine, die das Boot über mehrere Seemeilen hinweg begleitet hatten.

   „Insgesamt hört es sich so an, als hätte dir euer Segeltörn trotz der Begleiterscheinungen doch ganz gut gefallen“, kommentierte Maggie schließlich.

   „Du hast recht. Ich bin froh, dass Pauline mich dazu überredet hat, so eine Art des Urlaubs einmal auszuprobieren. Ich würde so etwas jederzeit wieder machen. Aber nur mit Leuten, die ich gut kenne und bei denen ich weiß, dass alles harmonisch abläuft“, schränkte er ein.

   Maggie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln.

   „Na, da wüsste ich doch etwas. Wenn Alan und ich Gefallen am Segeln finden, könnten wir doch nächstes Jahr alle gemeinsam eine Yacht chartern und irgendwo herumschippern. Die ganze Familie, meine ich, so wie bei unserem Urlaub in Cornwall. Was hältst du davon?“

   John wurde schreckensbleich. Gegen eine Woche an Bord mit Dame Commander of the British Empire Isabel Mackenzie und seiner Mutter Emmeline käme selbst die ‚Meuterei auf der Bounty‘ als fröhlicher Kindergeburtstag daher. Auf so ein Abenteuer würde er sich nur über seine Leiche einlassen.